Geburtstag

1.5. 24 Geburtstage

Mein Geburtstag ist für mich ein sehr eigenartiges Event. Als ich noch klein war, hat meine Mutter alle meine Geburtstage ausgerichtet und sich selbst in Perfektion übertroffen. Nicht, dass es besonders pompös gewesen ist; obwohl ich doch ein Mal in einem Schloss gefeiert habe, aber sie wusste immer genau worauf es ankommt.

Wenn also mein Geburtstag war, saß ich schon morgens vor der Wohnzimmertür und wartete darauf, dass meine Mutter mich in das Frühstückskuchen-Schlaraffenland holte. Sie hatte die Glastür zum Wohnzimmer hin zugehangen, damit ich auch ja nicht durchluken konnte, was sich im Innern abspielte.

Als es dann endlich soweit war, glitzerten meine Augen, der Speichel lief mir im Mund zusammen und mein Herz schwappte über vor Freude. Ich liebte das, weil ich das Gefühl hatte, dass sie sich über das ganze Jahr Notizen gemacht hatte, was ich mir wünschte und daraus die wichtigsten Sachen auswählte. Wir hatten immer einen wahnsinns Spaß und das noch vor Schulbeginn. Danach begann die richtige Party, mit all den griechischen Freunden und meinen Spielfreunden.

Schnitt!

Als meine Mutter starb, war ich 15, ein Geburtstag an den ich mich kaum noch erinnern kann, zu dem es meiner Meinung nach nicht einmal Fotos gibt. Und seit dem war jeder Geburtstag ein Reinfall. All die Erwartungen, die meine Mutter über all die Jahre so fleißig aufbereitet hatte, konnten von keinem auch nur Ansatzweise getroffen werden. Ist ja auch irgendwie klar …

Mein Tiefpunkt begann dann mit meinem 18ten Geburtstag, der riesen groß werden sollte und mit vielen „Freunden“. 10 Minuten nach dem einläuten meines Geburtstags, lag ich 3 Stunden kotzend auf dem Klo. Nachdem ich also 18 Jahre lang kein Alkohol getrunken hatte und auch sonst zwischen meinem 18ten und 21ten Lebensjahr nur ab und zu getrunken habe, fand ich mich trotzdem bis dahin, an jedem Geburtstag auf dem Klo vegitierend wieder. Mal mehr, mal weniger, aber immer genauso scheiße fühlend.

Mit meinem 21sten Lebensjahr habe ich dann dem Alkohol wieder den Rücken gekehrt, einfach weil ich gemerkt habe, dass ich ohne Alkohol absolut mehr Spaß habe als mit. Und in dem Zeitraum, begann bei mir die dritte Phase des spirituellen Erwachens.

Gestern habe ich meinen 24sten Geburtstag gefeiert und ich hätte mir keinen schöneren Tag vorstellen können, als wie er gestern gewesen ist. Ich wachte morgens auf und fing an mit einem Akkuschrauber mein Bett auseinander zu bauen, das aus Obstkisten und einem halben Regal bestand. Dann war ich mit meiner Freundin aus Stuttgart zum Geburtstags-Frühstücks-zoomen verabredet und habe mich danach auf mein Fahrrad geschwungen. Denn es stand Mal wieder eine klassische Amina-Aktion an und die heutige bestand darin, mir eine zwei Wochen alte Tatoo-Idee stechen zu lassen. Gesagt, getan! Zwei Stunden später radelte ich mit meinem neuen Tattoo den Mauerpark entlang, an dem die Bäume schon mit rosa Blüten besetzt waren.

Ich hatte meine engsten 15 Freunde eingeladen und wir haben Volleyball und Tischtennis gespielt, gegessen und gesungen. Wir haben tiefe Gespräche geführt, Fremde wurden Freunde und damit wurde für mich das Gleichgewicht meines Geburtstags wieder hergestellt. Gestern wurde mir bewusst, dass es nie um Geschenke geht, nie um mich, sondern darum, dass die Menschen die ich liebe zusammenkommen, um gemeinsam das Geschenk des Lebens mit ihrer Präsenz zu feiern.

-Ich bin voller Dankbarkeit!-

Gleichzeitig wurde mir aber auch bewusst, was ich hier hinter mir lasse und was ich hier vermissen werde. Die Vorstellung davon, dass sich alles verändert; ja dass sich alle verändern jagt mir angst ein. Und da ist sie wieder, mein ewiger Schatten, die Verlustangst. Oh wie gerne würde ich ihr sagen, dass sie nicht existent ist, weil nichts im leben besessen werden kann und Verlust deswegen eine Illusion ist. Oh wie gerne würde ich der Angst sagen, dass sie selbst aus Liebe gemacht ist und Liebe die Urschwingung der ewigen Essenz bleiben wird.