2.1. surf n´ tantra

Ich habe zwei Wochen mit wunderbaren Menschen in einer Surf-Lodge verbracht und war so oft wie nur möglich surfen. Ich bin so stolz auf meinen Fortschritt und kann jetzt mit einem 7.6 Hardboard grüne Wellen surfen. Mein Alltag bestand quasi darin, 3-4h zu arbeiten und entweder vorher oder nachher surfen zu gehen, zu essen, mich zu sonnen, in die Stadt zu trampen, nett auszugehen und jeden Tag die schönsten Sonnenuntergänge zu betrachten.

Ein leichtes Leben und dazu wunderschön, aber am Ende der zwei Wochen hat mir das viele Wasser den Boden unter den Füßen weggerissen. In diesem Zustand bin ich nämlich ins Inland von Portugal in die Nähe von Monchique gekommen. Hier erwartete mich ein sehr trockenes, heißes Klima, keine Wellen sondern pure Stille, die mich langsam und sicher wieder in meine Erdung fühlen lassen.

Und zack da befinde ich mich in Mitten eines wunderbaren kreativen Space und erfahre mich selbst ganz neu.

Dort gibt es ein großes Gelände, das sogenannte „Awakeland Portugal“, 21 Hectar Land, das zur Wiederaufforstung genutzt wird und gleichzeitig als Festival und Workshop space dient. Ich habe drei Tage gebraucht, um mit Tanz, Barfußlaufen und Ursachenbetrachtung wieder in meine Erdung und Kraft zu kommen. Dabei war das erste Dance-Festival schon voll im Gange und wie das bei solchen Festivals eben ist, habe ich zu viel Zeit mit all den neuen Menschen verbracht, als mir Zeit für mich selbst zu nehmen.

Abgrenzung und Kontakt

Nach drei Tagen Festival, die mir wie eine Woche vorkamen, hatte ich endlich meine Ruhe, konnte mir einen Tag für mich selbst nehmen und mich zurückbesinnen, wie wichtig Abgrenzung für mich ist. Das bedeutete, dass ich allen Anwesenden verkündete, keine Umarmungen, Streicheleinheiten, geschweige denn zu langen Blickkontakt mehr entgegenzunehmen. Denn wenn ich selbst nicht in meiner Kraft bin und dann in Kontakt mit anderen Menschen gehe, kann ich den Raum und die Energie nicht halten und meine ganze Energie geht flöten.

In der Zwischenzeit hat das Tantra-Festival schon begonnen und 260 Seelen laufen über das Gelände, mit dem Willen sich zu verändern, neues zu lernen und sich selbst neu zu erschaffen. Kommen wir zu dem Teil der dich wahrscheinlich am meisten interessiert, Tantra. Was ist da passiert? Und nein wir sind dort nicht alle nackt durch die Gegend gerannt, haben Orgien gefeiert und uns alle geliebt. Tantra, besteht vor allem darin sich seiner eigenen Schattenseiten bewusst zu werden und damit zu arbeiten. Und weil wir Gesellschaftlich gesehen aus Sexualität ein großes Tabu-Thema gemacht haben, das Sakralchakra, in dem die sexuelle Energie sitzt aber auch das Chakra der Lebenskraft und der Freude ist, genau darin das größte Potential für Wachstum besteht. Das bedeutet auch sich selbst durch sexuelle Praktiken neu zu entdecken und die Traumata an die Oberfläche zu holen, um sie zu bearbeiten. Sexuelle Praktiken sind vor allem mit Atmung, Tanz, Trance und Kontakt verbunden. Dabei wird alles mit unterschiedlichen Konzepten wie Schamanismus, Yoga oder Massagen verbunden, um genau die Anteile in einem wachzurütteln, die sich so lange versteckt gehalten haben.

Das ganze Festival ging über eine Woche und war so anders, als das Tanz-Festival zuvor. Es war viel bewusster, achtsamer, transformierender, einfach weil sich jeder auch mit den Dingen beschäftigt hat, die hochgekommen sind, anstatt sie einfach wieder zu unterdrücken. Einen Punkt muss ich hier auf jeden fall noch erwähnen, das für mich das absolute Highlight war, die Temple-Nights! Die sehen immer anders aus, aber bestehen hauptsächlich darin durch sexuelle Spiele, das Potential von Lust neu zu entdecken und seine eigenen Wünsche und Grenzen zu testen.

Nach diesen Erfahrungen, bin ich absolut glücklich gewesen und hätte zu diesem Zeitpunkt gehen sollen. Aber es fand noch ein Tantra-Training statt und ich bin geblieben. Auch das war schön zu erleben, allerdings hat mein Körper nach all dieser Zeit nach einer Auszeit geschrien. Also bin ich erstmal Krank geworden, um mir die Zeit für Integration zu geben. Ich bin nach den ersten zwei Grippe-Tagen in die „Berge“ von Aljezur gefahren und hab dank eines Freundes 4 Tage im Fieberdelierium in seinem Wohnwagen verbracht. Jeden Tag nur Zitronen-Honigwasser getrunken, geschlafen und die Natur um mich herum genossen. Die Hauptintention dessen war, mich wieder in meine weibliche Energie zu begeben, mich hinzugeben und meinen Körper wieder zu spüren und genau das konnte ich dadurch wieder zulassen.

Nach meiner Gesundung bin ich jetzt weiter nördlich bei einem Freund, der eine Eco-village aufbaut und verbringe die Zeit damit, vollkommen zu gesunden, das Meer und die Natur hier zu genießen und mich auf meine Weiterreise vorzubereiten. Ein paar Tage bin ich noch hier in Lissabon und gönne mir ein wenig Luxus, denn es geht weit Weg…. dazu bald mehr!

Danke dir fürs Lesen, dass du an meiner Reise Teil hast und dich mit mir verbindest.

Ich wünsche dir einen richtig tollen Tag und bis bald!

Amina